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GEGEN STUDIENGEBÜHREN

KRAFTVOLLE DEMONSTRATION GEGEN STUDIENGEBÜHREN

Etwa 7000 Menschen haben am Mittwoch, den 30.11. in Stuttgart gegen die Verabschiedung des Studiengebühren-Gesetzes demonstriert. An der Demonstration beteiligten sich u.a. Studierende, SchülerInnen und Mitglieder der Gewerkschaften.

Bereits kurz nach Beginn der Demonstration verlies ein großer Teil der Protestierenden die genehmigte Demonstrationsroute und machte sich auf den Weg zur CDU Zentrale am Rotebühlplatz. Weder die Polizei noch die OrdnerInnen konnten dies verhindern. Die übrigen DemonstrationsteilnehmerInnen schlossen sich ebenfalls an. Vor der CDU Zentrale kam es zu kleineren Rangeleien mit der Polizei und zu einer Blockade auf der Kreuzung auf dem Rotebühlplatz. Dort wurden u.a. Parolen gerufen wie >Was will ich, was willst du - das Verbot der CDU!< und >Ohne Bildung werd ich Polizist<.
Auch beim weiterziehen stoppte der Demonstrationszug immer wieder um die Kreuzung zu blockieren. Nach kurzer Zeit wurde die Demonstrationsroute ebenfalls wieder verlassen und die Demo bewegte sich weiter auf der Theodor Heuss Strasse Richtung Hauptbahnhof, erneut verbunden mit mehreren Blockaden. Nachdem sich die Demonstration schließlich zum Abschlusskundgebungsort bewegte, zogen mehrere hundert Menschen direkt zum Landtag um dort ins Sperrgebiet einzudringen. Die Polizei konnte nur mit Mühe und Not das Erstürmen des Landtages verhindern.
Im Folgenden zogen immer mehr Menschen zum Landtag und belagerten diesen von verschiedenen Seiten, mehrere Menschen überwanden die Polizeiabsperrungen und drangen bis direkt ans Gebäude vor. Die Polizei war nur mit relativ wenigen, unerfahrenen Einsatzkräften vor Ort und hätte einem ernsthaften Ansturm zumindest vorübergehend nicht standgehalten. Ein übereifriger Polizist, der auf seinem Pferd immer wieder in die Demonstrierenden hineinritt, wurde kurzerhand, im wahrsten Sinne des Wortes, von >seinem hohen Ross befördert< und hatte Glück dass er durch einen Schlagstockeinsatz seiner Kollegen aus der Menge befreit werden konnte. Im weiteren Verlauf hielten sich die Cops auf den Pferden zurück.
Bis auf einige Aggressionsanfälle einzelner Cops war das Polizeikonzept ansonsten am gesamten Tag von Deeskalation aber auch der Überforderung mit der Situation geprägt.

 

Ein allgemeines Fazit des Tages:
Eine überraschend kreative, große und kämpferische Demonstration. Auch wenn sie, sowohl im internationalen Vergleich als auch im Verhältnis zum Anlass, der wesentlich mehr Menschen auf die Straße bringen und entschlossenere Aktionsformen hervorbringen sollte, sicher erst ein kleiner Schritt war. Es bleibt zu hoffen und darauf hinzuwirken, dass die SchülerInnen und Studierenden nicht klein beigeben, sondern sich der Widerstand gegen die Einführung der Studiengebühren und die anderen Umstrukturierungen im Bildungswesen, weiter entwickelt.

Das Konzept der Polizei war offensichtlich auf eine absolute Deeskalation ausgelegt. Unter keinen Umständen sollten sich die DemonstrationsteilnehmerInnen mit einer Staatsmacht konfrontiert sehen, die offensichtlich die Demonstration einschränkt oder angreift. Damit nach der Demonstration alle mit dem Gefühl nach Hause fahren, eine erfolgreiches, symbolisches Zeichen gesetzt zu haben und nicht mit einem Wutgefühl gegen die Staatsmacht, wurden sogar kleinere Gesetzesüberschreitungen geduldet.
Im allgemeinen soll so der Eindruck erweckt werden, dass mit Kooperation und symbolischen Protestformen die zumindest weitgehend im Rahmen der Gesetze bleiben, mehr zu erreichen sei.
Wenn die Studiengebühren dann erst einmal eingeführt sind, was ohne eine um ein vielfaches kämpferische Praxis ohne Frage der Fall sein wird, wird es bei den meisten dann eher zu Frustration und Desinteresse führen. Provozierende Polizeieinsätze hingegen, könnten schnell zu einer Politisierung vieler führen, dass haben die Experten des Staates längst aus der Geschichte gelernt.

Dieses sensible Vorgehen des Staates lässt aber auch Freiräume zu, die genutzt und ausgeweitet werden können und müssen. Gerade die Notwendigkeit, in einer Situation die objektiv die Lebensbedingungen für viele verschärft und damit Massen an potentiell Revoltierenden hervorbringt, gegen diese nicht direkt vorzugehen, bietet uns automatisch Handlungsspielräume. Diese Handlungsspielräume können uns dazu dienen, eine kämpferische Praxis innerhalb der Proteste zu entwickeln und die Bewegung weiter zu politisieren.

 

Wie weiter?
Die weitere Umstrukturierung des Bildungswesen und darin u.a. die Einführung der Studiengebühren ist ein Teil der momentanen Reaktion von Staat und Kapital auf eine sich zuspitzende Krise. Sie ist nicht zu trennen von den zahlreichen anderen Angriffen, ob auf die Löhne, die Arbeitsbedingungen oder die soziale Absicherung. Die Einschnitte treffen letztlich den absoluten Großteil der Bevölkerung, wenn auch zunächst in unterschiedlicher Intensität. Der Widerstand dagegen darf sich nicht aufspalten und damit schwächen lassen sondern kann letztlich nur erfolgreich sein, wenn er den Zusammenhang all dieser Einschnitte begreift und diesen eine breite Mobilisierung von unten entgegensetzt.

Die weitere Entwicklung wird zeigen, dass Protestformen die letztlich auf Kooperation und Kompromisse mit den Verantwortlichen abzielen, erfolglos sein werden. Selbst wenn Gewerkschaftsfunktionäre wie auch Studienvertreter noch tausendfach versuchen werden jede Niederlage als Erfolg zu verkaufen.

Es ist notwendig darauf hinzuarbeiten, dass die Bewegungen die sich momentan gegen die Angriffe entwickeln nicht wieder abebben, sobald ihre unmittelbaren Ziele gescheitert sind. Es gilt, gerade darin die Notwendigkeit kämpferischer Aktionsformen und das Streben nach einer revolutionären Perspektive aufzuzeigen.

In diesen Tagen finden zahlreiche weitere Proteste in Stuttgart und vielen anderen Städten gegen Studiengebühren statt.
Mehr dazu sowie zahlreiche Bilder sind zu finden unter:
www.streikblog.de >>>

Bilder vom 30.11. >>>

Eine weitere Demonstration gegen Studiengebühren wird es am Donnerstag, den 15. Dezember in Stuttgart geben!
Achtet auf weitere Ankündigungen!

 

 



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