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Newsletter 78 - 26.04.2007
 

Newsletter der Revolutionären Aktion Stuttgart (78)



Kurz und bündig:

> Die Mobilisierung zum diesjährigen 1. Mai läuft auf Hochtouren: Neben Flyern, Plakaten und Flugblättern ist seit kurzem auch die Zeitung der Gruppen der Initiative für einen Revolutionären 1. Mai in Stuttgart erhältlich. Wer sie oder anderes Mobilisierungsmaterial noch vor dem 1. Mai haben oder selbst verteilen will: alles ist im Infoladen, auf der Veranstaltung am Freitag Abend im Alten Feuerwehrhaus, am Samstag beim Fest des Jugendbündnisses Stuttgart im Jugendhaus West und am Sonntag bei der Veranstaltung des Anti-G8 Bündnisses für eine Revolutionäre Perspektive zu bekommen.
Was noch alle machen können: Damit wir es in diesem Jahr erneut schaffen, die Demonstration größer und alles interessanter werden zu lassen, sind alle aufgerufen noch fleißig zu mobilisieren. Nehmt Mobilisierungsmaterial mit zur Schule oder zum Job, verteilt es auf Partys und Konzerten, mailt die Infos zur Mobilisierung weiter…
Alle die momentan in einer der AGs der Revolutionären Anti-G8 Mobilisierung beteiligt sind, können gerne beim 1. Mai Fest einen kurzen Workshop - ob Transpi malen, Blockaden trainieren oder einen Radiobeitrag produzieren - anbieten. Auch alle anderen können sich gerne noch mit Ideen einbringen, sowohl beim Anti-G8 Block auf der Gewerkschaftsdemonstration, als auch bei der Revolutionären 1. Mai Demo und beim Fest. Auf den Demos sind auch Instrumente und Transpis gerne gesehen…

Die Homepage zum 1. Mai wird momentan ständig aktualisiert, alle weiteren Infos zum 1. Mai in Stuttgart findet Ihr dort: www.erstermai-stuttgart.de.am

> Nicht vergessen: Die Initiative Sozialproteste organisiert morgen (Freitag, 27.04.) im Alten Feuerwehrhaus in Stuttgart Heslach eine Diskussionsveranstaltung: Es soll dabei um die Nachbereitung der vergangenen Proteste, gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters und gegen Studiengebühren gehen. Davon ausgehend soll natürlich nach vorne geblickt und Perspektiven von Protest und Widerstand gegen die nächsten Angriffe von Staat und Kapital Thema sein. Nicht zuletzt wird auch die Anti-G8 Mobilisierung und die darin enthaltenen Möglichkeiten für eine starke Linke Bewegung behandelt.
Längerer Ankündigungstext weiter unten.

Freitag, 27. April, um 19 Uhr im Alten Feuerwehrhaus, Möhringerstr. 56, Stuttgart Heslach (Nähe Haltestelle Schreiberstraße U1 & U14, Bus 42)


> Das Jugendbündnis Stuttgart, bestehend aus der IG Metall Jugend, Verdi Jugend, SDAJ, DIDF Jugend, Solid und der KNE veranstaltet am kommenden Samstag, den 28. April ein Fest zum 1. Mai. Es treten u.a. Skattle Grid und Systemfehler auf.

Das Fest beginnt um 17 Uhr im Jugendhaus West, direkt an der U-Bahn Haltestelle Schwab-/Bebelstraße (U4 & U9)

> Am Sonntag, den 29. April geht die lokale und regionale revolutionäre Anti-G8 Mobilisierung in eine neue Runde: Nach einem inhaltlichen Teil von 15 bis 16 Uhr, sollen die bisherige Arbeit der AGs zusammengefasst und ihre nächsten Planungen vorgestellt werden. Dazu gibt es aktuelle Infos zum Stand der Mobilisierung, den Camps und verschiedenen Debatten.
Wie sieht es mit Fahrtmöglichkeiten ab Stuttgart aus, wie läuft es im bundesweiten Anti-G8 Bündnis für eine Revolutionäre Perspektive, was ist noch zu tun….? - Um all das und um einiges mehr soll es auf der Veranstaltung gehen und auch die Mobilisierung zum 1. Mai wird kurz angeschnitten.
Ein Ankündigungstext ist auch weiter unten zu finden.
Bitte kommt pünktlich, da die Veranstaltung bei gutem Wetter evtl. im Freien stattfindet.

Sonntag, 29. April um 15 bzw. 16 Uhr im Subversiv, Benckendorffstr. 4, Stuttgart-Heslach


> Nazis planen für Samstag, den 12. Mai einen Aufmarsch in Horb. Es wird auch aus Stuttgart eine Mobilisierung zu den Antifaschistischen Gegenaktivitäten geben. Eine gemeinsame Zugfahrt ist in Planung, mehr Ankündigungen demnächst.


ANKÜNDIGUNGSTEXTE

VERANSTALTUNG: SOZIALPROTESTE UND DIE MOBILISIERUNG GEGEN DEN G8-GIPFEL

Die Angriffe von Regierung und Kapital auf Rente, Gesundheitsversorgung, gleiche Bildungschancen und auf viele weitere Errungenschaften sorgten in den letzten Monaten für Proteste zehntausender Menschen.
Auch wenn die große Koalition in Bundestag und Bundesrat in jeder dieser Fragen bereits entschieden hat - gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung - gibt es keinen Grund, die Proteste einzustellen:

Die nächsten ·Reformen· sind bereits geplant und die Politik im Interesse der Profite des Kapitals soll weitergehen. In allen Bereichen sollen auch zukünftig gekürzt, entlassen, Fabriken geschlossen, Steuern und Gebühren für den Großteil der Bevölkerung erhöht werden.
Die Regierung sorgt mit umfassenden Plänen zur Repression vor, um auch zukünftig den zu erwartenden Widerstand gegen ihre weiteren Pläne unter Kontrolle zu behalten. Da die Kapitalseite kein Zuckerbrot mehr abgeben will, braucht sie dann die Peitsche: Antiterrordatei, Vorratsdatenspeicherung und elektronische Verarbeitung von Passbildern sind die aktuellen Schritte hin zu einem Überwachungsstaat, unter dem Vorwand der ·Terrorismusbekämpfung·.
Momentan sollen mit der größten Bürgerkriegsübung in der Geschichte der Bundesrepublik die Proteste gegen die Vertreter der G8-Staaten in Heiligendamm erschwert, wenn nicht gar verhindert werden. Mehr als 100 Millionen Euro lassen sie sich - oder besser uns - das kosten!

Eine von den Medien verbreitete Niederlagenstimmung soll dafür sorgen dass viele, auch politisch aktive, Menschen davon ausgehen, dass die Pläne der Regierung ohnehin nicht verhindert werden können. Dazu trägt auch die Politik der Gewerkschaftsführung bei. Nachdem die Basis an der kurzen Leine gehalten wurde behauptet sie, es wäre nicht mehr Protest möglich gewesen und außerdem seien die Folgen sowieso erst ab 2012 spürbar· Sie konzentriert sich nun lieber auf die Wahlen 2009 - als ob diese etwas ändern würden, zumal mit einer Partei wie der SPD die die aktuellen Verschärfungen mitträgt und vorantreibt. Das mehr als nötige Vertrauen in die eigene Kampfkraft der Beschäftigten wurde und wird damit nicht gefördert, sondern stattdessen sogar seine Entwicklung verhindert.

Weder Wahlen, noch eine weitere nur auf Kompromisse, wenn nicht auf einseitiges Entgegenkommen der Beschäftigten ausgelegte Gewerkschaftspolitik werden an der momentanen Politik etwas ändern! Es liegt nun an der Basis der Gewerkschaften, an den Aktivistinnen und Aktivisten in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und den linken Organisierungen, sich dafür einzusetzen dass die Aktivitäten gegen die Angriffe von Regierung und Kapital weitergehen. Es bestehen nach wie vor gute Möglichkeiten für einen neuen Anlauf der Proteste, wenn die Masse der Bevölkerung mit der Niederlagenstimmung fertig wird. Es bleibt kein anderer Ausweg:
Nur über die gemeinsamen Kämpfe, über Streiks, Demonstrationen und andere Aktivitäten, kann der aktuelle Prozess umgedreht und die Perspektive einer befreiten Gesellschaftsordnung wieder denk- und machbar werden.


In Stuttgart hat sich mit der Initiative Sozialproteste ein Zusammenschluss aus Studierenden, GewerkschaftsaktivistInnen, Erwerbslosen und linken Organisationen zusammengefunden und war u.a. bereits mit einem gemeinsamen Flugblatt auf mehreren Kundgebungen am 29. und 30. Januar präsent. Wir wollen die Gemeinsamkeit der verschiedenen aktuellen sozialen Kämpfe - z.B. gegen Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerung, die Gesundheitsreform und die Umstrukturierungen im Bildungswesen mit Studiengebühren etc. thematisieren und dementsprechend praktisch dazu aktiv sein.


Kommt zur Veranstaltung:
Es ist wichtig zu analysieren und zu begreifen weshalb der Protest und Widerstand gerade gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters, von dem direkt und indirekt der größte Teil der Bevölkerung betroffen ist, nicht größer war. Nur wenn wir uns damit beschäftigen, wieso nicht mehr dagegen und gegen die anderen vergangenen Angriffe wie die Einführung von Studiengebühren aktiv wurden, weshalb die Proteste nicht entschlossener geführt wurden, können wir es zukünftig schaffen die Proteste auszuweiten. Auf der Veranstaltung soll es zu diesen Fragen kurze Referate und eine Debatte geben.
Wir richten unseren Blick aber natürlich auch nach vorne - z.B. auf die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm in Mecklenburg Vorpommern. Die G8 sind die Vertreter der imperialistischen Kernländer Deutschland, Kanada, Großbritannien, Japan, Russland, Frankreich, Italien und die USA. Sie stehen für die Angriffe auf die soziale Lage und die politischen Rechte der Menschen sowohl in diesen, wie auch den neokolonial beherrschten Ländern - weltweit!
Unzählige Initiativen, Organisationen und Bündnisse aus ganz Deutschland und vielen anderen Ländern rufen zu Protesten und zu einer Aktionswoche vom 1. bis zum 8. Juni auf. Nutzen wir die Mobilisierung um gemeinsam aktiv zu werden, mit Zehntausenden gemeinsam für unsere Forderungen und gegen die aktuelle Politik auf die Straße zu gehen und über zukünftige soziale Proteste und politische Alternativen zu diskutieren!

Alle Interessierten laden wir herzlich zur Veranstaltung ein:
am Freitag, den 27. April um 19 Uhr im Alten Feuerwehrhaus, Möhringerstr. 56, Stuttgart-Heslach (Beim Erwin Schöttle Platz, Haltestelle Schreiberstr. U1 & U14)


VERANSTALTUNG DES ANTI-G8 BÜNDNISSES FÜR EINE REVOLUTIONÄRE PERSPEKTIVE STUTTGART & REGION

Für alle die sich über den G8-Gipfel, die Gegenmobilisierung und die Inhalte der lokalen antikapitalistischen Mobilisierung informieren wollen, findet um 15 Uhr eine Infoveranstaltung statt. Darin wird es um die Bedeutung des G8, die aktuelle Politik der G8-Staaten, die allgemeine Gegenmobilisierung und die antikapitalistischen Perspektiven der Aktivitäten gehen. Um 16 Uhr findet dann das nächste große Treffen des lokalen Anti-G8 Bündnisses für eine Revolutionäre Perspektive statt. Es wird ein Update zum Stand der bundesweiten und lokalen Gegenmobilisierung, der Fahrt, den Camp- und Aktionsplanungen geben. Die aktiven AGs berichten von ihrer bisherigen Arbeit und den nächsten Planungen, außerdem werden die gemeinsamen nächsten Aktivitäten besprochen.
Die Mobilisierung zum Revolutionären 1. Mai wird ebenfalls Thema sein.

Sonntag, 29.04.07 um 15 / 16 Uhr
Subversiv, Benckendorffstr. 4, Stuttgart-Heslach (bei Haltestelle Bihlplatz U1 & U14)

HERAUS ZUM 1. MAI! GEMEINSAM KÄMPFEN | STREIKEN | BLOCKIEREN | ORGANISIEREN! FÜR EINE REVOLUTIONÄRE PERSPEKTIVE!

Dass Alternativen zur aktuellen Politik längst notwendig sind, bezweifeln heutzutage wohl nur noch die wenigsten. Nahezu alle gesellschaftlichen Gruppen sind schließlich von den vergangenen "Reformen" der Regierung betroffen: Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte, Rentnerinnen und Rentner, Studierende und Erwerbslose.
Hartz IV und der weitere Abbau sozialer Absicherungen, die Umstrukturierungen im Gesundheitswesen mit immer weniger Leistungen und mehr Kosten für die PatientInnen, Kürzungen im Bildungsbereich mit der Schließung von Instituten und der Einführung von Studiengebühren, Kürzungen bei der Rente bis hin zur Heraufsetzung des Renteneintrittsalters - dies sind nur einige Schlagworte, die die momentane Situation kennzeichnen. Wer nicht jetzt schon die Auswirkungen der aktuellen Politik zu spüren bekommt, muss fürchten früher oder später davon getroffen zu werden. Und auch in (momentan noch) weniger konkret spürbaren Bereichen ist die Notwendigkeit von Veränderungen offensichtlich: Die immer weitere Aufrüstung und die Kriegseinsätze der Bundeswehr werden gegen den Willen des Großteils der Bevölkerung vorangetrieben. Die Gefahr einer drohenden Klimakatastrophe, durch die nach den Interessen der Großkonzerne ausgerichtete und daher bis heute völlig verfehlte Umweltpolitik, wird immer akuter. Und auch dies sind nur zwei von vielen Beispielen.
Die wenigsten nehmen den Regierungsparteien ihre Behauptungen von der Notwendigkeit der momentanen Politik, mit all den Verschlechterungen für immer mehr Menschen, noch ab. Wenngleich ihre Ablehnung noch nicht dazu führt, dass sie schon bereit sind tatsächlich selbst zu handeln. Hunderttausende nahmen ihre Wut gegen die aktuelle Politik aber auch in den vergangenen Monaten wieder zum Anlass, um aktiv zu werden. Mit Kundgebungen und Demonstrationen gingen sie auf die Straßen, vor die Werkstore oder Universitäten um gegen die geplante Erhöhung des Rentenalters oder gegen die Einführung von Studiengebühren zu protestieren. Viele weitere waren und sind in anderen Bereichen aktiv, organisieren sich in Erwerbslosen-Initiativen, Umweltschutzgruppen und anderen Organisationen.

Allerdings konnten die vergangenen Proteste, gegen die rigoros durchgezogene Politik von Regierung und Kapitalverbänden, bisher kaum etwas ausrichten. Die Gründe hierfür sind sicher vielfältig: Offensichtlich wurde z.B. die mangelnde Erfahrung in konfrontativen Auseinandersetzungen. Die von der Gewerkschaftsspitze etablierte Herangehensweise des Kompromisses um jeden Preis rächt sich immer mehr. Es wird immer offensichtler, dass die Versuche Zugeständnisse zugunsten der Belegschaften nicht durch tatsächliche Kämpfe zu erreichen, sondern diese Kämpfe stattdessen möglichst klein zu halten, einer Selbstentwaffnung gleicht. Dass es auch bzw. eher nur anders geht wurde zuletzt z.B. in Frankreich deutlich, wo die geplanten Angriffe auf den Kündigungsschutz nach massiven Massenprotesten wieder vom Tisch genommen werden mussten.
Auch muss die Zersplitterung der einzelnen Bereiche, in denen Proteste stattfinden, aufgehoben werden, damit wieder wirkliche Erfolge erzielt werden können. Wer kann schon noch ernsthaft bestreiten, dass all die Kürzungen und Umstrukturierungen einem einzigen Ziel dienen: Der Umverteilung von unten nach oben, konkret der Profitsteigerung auf Kosten des Großteils der Bevölkerung. Wenn davon die Rede ist, dass weitere "Reformen" anstehen, da die Wirtschaft angekurbelt werden muss und dass weitere Bereiche privatisiert, bzw. zur Kapitalverwertung freigegeben werden müssen, ist damit nur eines gemeint: wir sollen weitere Opfer bringen, damit die Gewinne der Unternehmen steigen. Wer also heute noch denkt ihn beträfen die Einschnitte nicht, kann morgen schon vor der selben Situation stehen wie die Angestellten der Telekom, denen für weniger Geld bald noch mehr abverlangt wird, die ArbeiterInnen bei Airbus die vor die Tür gesetzt werden sollen oder die Studierenden die Hunderte Euro Studiengebühren aufbringen müssen und deren Institute wegrationalisiert werden. Ohne dass sich Studierende, Erwerbslose, Jugendliche und ArbeiterInnen der verschiedenen Bereiche zusammentun - wie es die Sozialabbauer und Lohnkürzer aus Unternehmertum und Politik eben auch längst tun - wird kaum eine starke Bewegung entstehen können. Allein machen sie dich ein - diese alte Weisheit werden Schritt für Schritt alle zu spüren bekommen, die denken sich selbst aus der Affäre ziehen zu können.
Zu guter Letzt wird es aber auch darauf ankommen, ob wir weiterhin die Ideologie derer übernehmen, die die aktuelle Politik im eigenen Interesse umsetzen und propagieren. Ob wir dem Märchen vom Kapitalismus als dem "Ende der Geschichte", als alternativlosem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem auf den Leim gehen. Oder ob wir diese Logik durchbrechen, nicht länger ihre kapitalistischen Sachzwänge als Naturgesetze betrachten, sondern sie in Frage stellen. Ob wir letztlich versuchen wirkliche Alternativen zur momentanen Politik, zu entwickeln, aufzubauen und zu erkämpfen - etwa Solidarität statt Konkurrenzdenken, Lebens- und Arbeitsbedingungen nach den Bedürfnissen aller gestaltet statt nach Profitinteressen, Abrüstung und internationale Solidarität statt Aufrüstung und Kriegseinsätze.


So wie es ist bleibt es nicht - nehmen wir die Zukunft in die eigenen Hände!

Eine andere Gesellschaftsordnung mag hier und heute in allzu weiter Ferne erscheinen, sie ist aber längst denk- und machbar! Es geht dabei nicht darum einer Utopie hinterher zu rennen. Das entscheidende ist und bleibt das konkrete Handeln, das das Ziel einer anderen Welt, einer klassenlosen und befreiten Gesellschaft als Notwendigkeit und Perspektive begreift.
Wenn wir aus den vergangenen Protestmobilisierung die richtigen Konsequenzen ziehen, statt den Kopf in den Sand zu stecken, wird schon einiges deutlich: Die notwendige Zusammenarbeit der Belegschaften unterschiedlicher Konzerne, der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und die Überwindung der Zersplitterung der Proteste ist eine der Grundlagen. Dies stellt nicht nur eine pure Notwendigkeit für erfolgreiche Proteste dar, sondern eben in Ansätzen auch die ersten Schritte hin zu einer Perspektive jenseits des Kapitalismus. Denn was außer das gemeinsame Handeln und Organisieren für die gemeinsamen Interessen der Mehrheit der Menschen kann die Grundlage einer Alternative zum Kapitalismus sein? Die Erfahrungen von Streiks und anderen kollektiven Aktionen haben unzählige Male gezeigt, welche Dynamik, Motivation und Strukturen des eigenständigen gemeinsamen Handelns der Beteiligten sie in kürzester Zeit hervorrufen können.
Auch die zweite oben schon genannte Lehre aus den vergangenen Protestaktionen weist den Weg hin zu einer wirklichen Perspektive: Nicht im Einvernehmen mit den Profiteuren und Verwaltern des kapitalistischen Systems kann etwas erreicht werden. Im kleinen bei den aktuellen Abwehrkämpfen, wie im großen bei der Frage zu langfristigen Perspektiven müssen wir für unsere Sache einstehen und selbst aktiv werden! Weder das Verlassen auf die Gewerkschaftsspitzen, noch auf diese oder jene Partei, die verspricht im Bundestag schon alles zu Gunsten aller zu klären, stellt eine Lösung dar. Ohne eigene Initiative und Organisierung bleibt die richtige Kritik an den Verhältnissen nichts als Genörgel. Jede eigene Initiative und Organisierung schafft in Erfolgen und Niederlagen neue Erfahrungen und gibt uns selbst Stück für Stück die Macht über unser Schicksal in die Hand.

Lernen können wir dabei auch von den Erfahrungen in andere Teilen der Welt: Aktuell rückt die Perspektive der Überwindung der kapitalistischen Verhältnisse hin zu einer befreiten Gesellschaft für Millionen Menschen in Lateinamerika immer näher. Der Sozialismus als Gesellschaftsmodell der Zukunft wird dort offen thematisiert. Getragen von den Massen der Arbeiterinnen und Arbeiter, Bäuerinnen und Bauern, den Land- und Arbeitslosen, werden z.B. in Venezuela grundlegende Reformen umgesetzt, von denen der große Teil der Bevölkerung profitiert. Während in den kapitalistischen Ländern Arbeitsplätze abgebaut werden, werden dort welche unter zunehmend selbstbestimmten Bedingungen geschaffen, während in den kapitalistischen Ländern Institute geschlossen und immer mehr Menschen von den Möglichkeiten zu studieren ausgeschlossen werden, werden dort die Fächer eingeführt, nach denen es Bedarf gibt, wird ein kostenloses Gesundheitswesen aufgebaut, gewerkschaftliche Organisierungen unterstützt und vieles mehr.

Die Frage nach Alternativen zur aktuellen Politik ist also keine abstrakte. Sie kann hier täglich mit der Beteiligung an Protest und Widerstand und dem Aufbau von Organisierungen beantwortet und nur auf diese Weise auch langfristig gelöst werden. Sie findet ihren Ausdruck ebenfalls dann, wenn wir gegen die militärischen, ökonomischen und politischen Interventionen der imperialistischen Nationen gegen fortschrittliche Entwicklungen wie in Lateinamerika aktiv werden.
Nicht zuletzt die Proteste gegen den G8-Gipfel im Juni bieten zu all dem einen guten Anlass.

Das Streben nach einer Welt in der alle nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten leben können, in der weder Ausbeutung und entfremdete Arbeitsverhältnisse, noch Kriege existieren hat eine lange Geschichte. Seit mehr als hundert Jahren bringt der Begriff des Kommunismus dieses Streben auf den Punkt - und auch heute gilt es daran festzuhalten, ohne die gemachten Fehler und erlittenen Niederlagen einfach zu ignorieren. Es gilt an den vielen historischen und aktuellen Erfahrungen anzuknüpfen und nicht den bürgerlichen Medien glauben zu schenken, die dieses Streben als grundsätzlichen Irrtum und Sackgasse darstellen.

Am 1. Mai raus auf die Straßen! Im Juni auf nach Heiligendamm!

Am 1. Mai gehen wir gemeinsam auf die Straße - für eine Perspektive die die unterschiedlichen täglichen Kämpfe und Forderungen auf einen Punkt bringt und weit darüber hinaus geht. Zusammen mit Millionen Menschen weltweit: Aktivistinnen und Aktivisten aus unzähligen linken und revolutionären Organisationen, Frauenrechtlerinnen, organisierten AntifaschistInnen, UmweltaktivistInnen, GewerkschafterInnen und vielen weiteren. In Stuttgart findet seit 2004, mit wachsender Beteiligung, auch wieder eine Revolutionäre 1. Mai Demonstration im Anschluss an die Demo des DGB und mit internationalistischem Fest als Abschluss statt - auch in diesem Jahr! Im Vorfeld des 1. Mai werden außerdem mehrere Veranstaltungen stattfinden und wird eine gemeinsame Zeitung der mobilisierenden Organisationen herausgegeben. In dieser werden weiterführende Texte zu verschiedenen, in diesem Aufruf nur kurz angeschnittenen Themen zu finden sein.

Für die Perspektive einer befreiten Gesellschaftsordnung, die wir am 1. Mai auf die Straße tragen, gilt es dann gemeinsam im Juni beim G8-Gipfel aktiv zu werden. Dort propagieren und organisieren die Staatschefs der acht führenden imperialistischen Nationen die herrschende Politik. Sie koordinieren dort die weiteren "Reformen" d.h. die weitere Ausrichtung aller gesellschaftlichen Bereiche nach Kapitalinteressen, sowie Aufrüstung und Kriege.
Etwa 100 000 Menschen werden zu den Protesten dort erwartet. Es wird eine Großdemonstration, sowie über eine Woche lang Aktionstage, Blockaden und weitere Aktivitäten geben. Nehmen wir den G8-Gipfel zum Anlass um unübersehbar gegen die Politik der dort vertretenen Regierungen zu protestieren und ihnen unseren direkten Widerstand entgegenzusetzen. Nutzen wir die Mobilisierung um eine gemeinsame Praxis zu entwickeln, uns zu vernetzen und zu organisieren. Aus Stuttgart werden ein Sonderzug und Busse fahren.
Auf unserer Homepage sind weitere Infos zur 1. Mai Mobilisierung und zu den Anti-G8 Protesten zu finden.

Heraus zum Revolutionären 1. Mai!
Stop G8, capitalism, imperialism, war!
Für den Kommunismus!

10:00 Uhr > 1. Mai Demonstration der Gewerkschaften - Auftakt: Marienplatz
Es wird in diesem Jahr auf der Demonstration der Gewerkschaften auch einen Themenblock der Mobilisierung zu den Protesten gegen den G8-Gipfel geben! Treffpunkt hierfür ist um 9:30 Uhr
- mehr unter: www.stuttgart-gegen-g8.de


11:30 Uhr > Revolutionäre 1. Mai Demonstration - Auftakt: Marktplatz
Es geht am Marktplatz los, nachdem die Gewerkschaftsdemonstration am Karlsplatz (in der Nähe des Marktplatzes) angekommen ist. Die Route geht am Ordnungsamt und dem SPD Büro am Wilhelmsplatz vorbei, wo es jeweils kurze Zwischenkundgebungen geben wird, dann weiter durchs Bohnenviertel auf die Olgastraße. Von der Olgastraße auf die Filderstraße, wo es an der Ecke Pelargusstraße, in der Nähe des Büros der Republikaner erneut eine Zwischenkundgebung gibt. Danach geht es über die Filderstraße in die Böheimstraße bis zum Erwin Schöttle Platz in Stuttgart-Heslach. Direkt dort beginnt nach der Abschlusskundgebung das Internationalistische 1. Mai Fest im Generationenhaus.


13:30 Uhr > Internationalistisches Fest - im Generationenhaus, Stuttgart-Heslach
Mit kleineren musikalischen und kulturellen Einlagen, Infotischen, Essen und Getränken - das alles in angenehmen Räumen mit großer Gartenanlage. Unter anderem tritt die Kinder-Theatergruppe Atelye auf.

VERANSTALTUNG: VENEZUELA - AKTUELLER VERSUCH EINER ALTERNATIVE ZUR NEOLIBERALEN POLITIK

Eine andere Welt ist möglich - soviel steht für uns fest. Schließlich hat die neoliberale kapitalistische Politik immer tiefgreifendere negative Folgen für die meisten Menschen weltweit. Aufrüstung, Waffenhandel und Kriege, die Zerstörung der Umwelt, Abbau sozialer Absicherungen und immer schlechtere Arbeitsbedingungen sind nur einige ihrer aktuellen Symptome. Dabei könnte die Entwicklung der Produktivkräfte, der technologische Fortschritt und der immense Reichtum längst genutzt werden um allen Menschen ein Leben nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten zu ermöglichen. Es gab schon viele Versuche eine Gesellschaftsordnung umzusetzen, die im Interesse aller und nicht nur der wenigen Kapitalbesitzer organisiert ist. Trotz ihrer vielen Erfolge und Fortschritte, sind sie aus verschiedenen Gründen jedoch in den allermeisten Fällen gescheitert.
Millionen Menschen weltweit kämpfen aber weiter für eine andere Welt, sie organisieren sich, führen Debatten und sind in vielen verschiedenen Bereichen aktiv. Die Aktiven der in den einzelnen Ländern können sich dabei nicht nur auf unterschiedliche Art unterstützen, sondern immer auch von den Kämpfen in anderen Teilen der Welt lernen.

In Venezuela findet seit mehreren Jahren der Versuch statt, auf den historischen Erfahrungen aufzubauen und tatsächlich eine Gesellschaftsordnung zu verwirklichen, die die Kapitallogik, Konkurrenzdenken und Profitstreben in Frage stellt. Die Bevölkerung wird beispielsweise direkt an staatlichen Entscheidungsprozessen beteiligt, Gesundheits- und Bildungswesen werden immer mehr im Interesse aller umgestaltet, Ländereien an die Bevölkerung verteilt und erste Schritte zur Übergabe von Fabriken an die Beschäftigten unternommen. Dabei ist dieser Prozess keineswegs nur auf Venezuela beschränkt, es findet obendrein ein reger Austausch mit anderen Ländern Lateinamerikas statt, von denen sich immer mehr an der Entwicklung in Venezuela orientieren.

Die Veranstaltung steht in verschiedener Hinsicht im Zusammenhang mit der Mobilisierung zu den Protesten gegen den G8-Gipfel. Zum einen gilt es den Prozess in Venezuela praktisch zu unterstützen und sich gegen Interventionen der westlichen Staaten, wie zuletzt den u.a. von den USA unterstützten Putschversuch, zu stellen. Zum anderen kann die Beschäftigung mit der Entwicklung, den Erfolgen und Schwierigkeiten des Prozesses in Venezuela uns viele Impulse geben, wie eine andere Welt, eine Alternative zur Politik der G8-Staaten verwirklicht werden und aussehen kann.

Der Referent Dario Azzellini hat mehrere Bücher, zahlreiche Artikel und zwei Filme über die Situation in Venezuela herausgebracht. Er wird einen Überblick über die dortige Entwicklung vor und nach dem Politikwechsel 1999 geben, sowie über den aktuellsten Stand des Zusammenschlusses mehrerer linker Parteien der Regierungskoalition dort und die Entwicklung in anderen Ländern Lateinamerikas berichten.

Donnerstag, 03. Mai um 19 Uhr
Subversiv, Benckendorffstr. 4, Stuttgart-Heslach (bei Haltestelle Bihlplatz U1 & U14)

TERMINKALENDER


Freitag, 27. April: Veranstaltung - Sozialproteste und die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel
> um 19 Uhr im Alten Feuerwehrhaus, Möhringerstr. 56, Stuttgart-Heslach


Samstag, 28. April: 1. Mai Konzert des Jugendbündnisses Stuttgart
> ab 17 Uhr im Jugendhaus West, an Haltestelle Schwab-/Bebelstraße (U4 & U9), Stuttgart West


Sonntag, 29. April: Veranstaltung und Treffen - Stop G8 | capitalism | imperialism | war
> um 15 / 16 Uhr im Subversiv, Benckendorffstr. 4, Stuttgart-Heslach


Dienstag, 01. Mai: DGB Demo & Anti-G8 Block
> um 9:30 Uhr am Marienplatz, Stuttgart - Süd (erreichbar mit der U1 & U14)


Dienstag, 01. Mai: Revolutionäre 1. Mai Demonstration
> um 11 Uhr Marktplatz, Stuttgart Mitte


Dienstag, 01. Mai: Internationalistische Fest
> ab 13:30 Uhr im Generationenhaus, an Haltestelle Schreiberstraße, Stuttgart-Heslach

Mittwoch, 02. Mai: Vernetzungstreffen - Stuttgart gegen G8
> um 18 Uhr, K2, Universität Stuttgart Stadtmitte

Mittwoch, 02. Mai: Veranstaltung zu den Anti-G8 Protesten
> um 19 Uhr, K2, Universität Stuttgart Stadtmitte


Donnerstag, 03. Mai: Veranstaltung - Venezuela - aktueller Versuch einer Alternative zur neoliberalen Politik
> um 19 Uhr im Subversiv, Benckendorffstr. 4, Stuttgart-Heslach


Freitag, 04. Mai: Workshop Verhaltenstipps - das kleine 1 mal 1 des /der AktivistIn
> um 18 Uhr im Subversiv, Benckendorffstr. 4, Stuttgart-Heslach

Regelmäßig:
> Öffnungszeiten des Infoladen Stuttgart: Montag bis Freitag, 18 bis 20 Uhr und bei Veranstaltungen im Subversiv (Benckendorffstr. 4, Stuttgart - Heslach)

> Jeden Samstag ab 20 Uhr lecker veganes/vegetarisches Essen bei der
Volxküche im Subversiv (Benckendorffstr. 4, Stuttgart - Heslach)

> Jeden ersten Sonntag im Monat vegan/vegetarischer Brunch im Subversiv (Benckendorffstr. 4, Stuttgart - Heslach)

Weitere Termine und Veranstaltungen in Stuttgart und der Region unter:
www.infoladenludwigsburg.de.am
www.subversiv-stuttgart.de

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Solidarische Grüße

Revolutionäre Aktion Stuttgart
www.revolutionaere-aktion.de.am

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>Zu diesem Newsletter <<<<<<<<<<<<<<<<<
Dies ist der Newsletter der Revolutionären Aktion Stuttgart. In mal mehr, mal
weniger regelmäßigen Abständen berichtet er über Termine wie
Veranstaltungen, Demos und Aktionen sowie über aktuelle Ereignisse.
Schwerpunkt ist dabei der Großraum Stuttgart.

Der Newsletter ist nummeriert (siehe ganz oben, die Nummer in der Klammer). So kannst Du sehen, ob Du ihn wirklich regelmäßig bekommst - einfach vergleichen, ob die Nummer immer fortlaufend ist. Falls nicht: Nachschauen, ob er evtl. manchmal im Spamordner landet und in diesem Fall unsere Mailadresse als erwünschten Absender markieren. Ansonsten uns eine Mitteilung schicken, dass irgendwas nicht klappt.

Wenn Du ihn direkt von uns (aaas@gmx.de) erhalten hast, ihn aber NICHT mehr bekommen möchtest, schicke einfach eine mail mit >austragen<, >abbestellen<, o. ä. an uns.

Wenn Du den Newsletter über eine andere Mailadresse weitergeleitet bekommen hast, ihn in Zukunft aber direkt erhalten möchtest, schicke einfach diese Mail an: aaas@gmx.de

Wir würden uns freuen, wenn Du den Newsletter auch an andere evtl. Interessierte weitermailst.


Wir freuen uns übrigens auch immer über Kritik, Anregungen, Lob und Diskussionen. Auch wenn Du aktiv werden willst, Fragen hast oder Dich mit uns austauschen willst gilt: Mail uns oder komm zu den Veranstaltungen und sprech uns an!



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