Liebe
Genossinnen und Genossen
Ich
begrüße euch herzlich im Namen
der Antifa-AG der Revolutionären Aktion
Stuttgart.
Leider bin ich gezwungen mich unkenntlich
zu machen, denn gegen die Antifa Ag wird momentan
vom Stuttgarter Staatschutz der Polizei ermittelt.
Wir riefen im September letzten Jahres dazu
auf, die Demonstration der Bewegung deutsche
Volksgemeinschaft zu verhindern. Unter dem
Motto "Die Amerikaner sind unser Unglück"
- einer Anlehnung an die NS-Parole "die
Juden sind unser Unglück"- demonstrierten
neben Nazigrößen sogar Ehemalige
der Waffen SS.
Statt diesen Aufmarsch von vorneherein zu
verbieten erging im Amtsgericht Stuttgart
folgendes Urteil: Unser Flugblatt zur Verhinderung
des Aufmarsches wurde als "Aufruf nicht
verbotene Versammlungen zu stören"
interpretiert und sei daher ein "Aufruf
zu Straftaten".
Auf dieser Grundlage wurden mehrere Hausdurchsungen
in Stuttgart und Göttingen durchgeführt,
um Namen der Mitglieder der Antifa Ag und
der Revolutionären Aktion zu ermitteln.
Bei einem Antifaschisten wurde eine Hausdurchsuchung
durchgeführt, mit der Absicht Beweise
zu finden, die die Herstellung des Flugblattes
belegen.
Trotz ergebnisloser Suche seitens der Polizei
wurde er mittlerweile zu einer 3monatigen
Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt,
mit der Begründung, dass Staatsschützer
ihn beobachtet haben wollen, wie er das strafbare
Flugblatt verteilt hat.
Auch wurde ein Redakteur des Freien Radios
für Stuttgart polizeilich vorgeladen,
weil er ein anderes Flugblatt von uns, indem
wir zur Solidarität und Spenden für
von Strafverfolgung betroffenen Antifaschisten
aufriefen, im Radio verlesen haben soll.
Wir
lassen uns von all dem aber sicher nicht
einschüchtern, sondern werden im folgenden
Redebeitrag unsere Positionen thematisieren
und auch auf die weit verbreitete Gleichsetzung
von linken und rechten Positionen eingehen.
Diese Gleichsetzung wird nicht nur von staatlicher
Seite immer wieder gepredigt, sondern ist
auch in den bürgerlichen Medien ständig
präsent.
Auch zur Demonstration heute war ja vielfach
zu hören und zu lesen, dass auch böse
gewalttätige Linksextremisten daran
teilnehmen.
Wir finden es unerhört, dass engagierte
Antifaschisten, die konsequent gegen Nazis
vorgehen und sich auch mit diesen Verhältnissen
die tagtäglich Ausbeutung und Unterdrückung
bedeuten nicht abfinden wollen, mit den
Nazis gleichgesetzt werden.
Diese
Gleichsetzung bedeutet in der Regel, dass
die rechten Ideologien, wenn sie sich bürgernah
schmücken oder nicht gerade durch Aufmärsche
in der eigenen Stadt deren Image verschmutzen,
in vielen Fällen toleriert und geduldet
werden. Bzw. dass AntifaschistInnen die
die Nazis bekämpfen als Chaoten und
Gewalttäter diffamiert werden.
Zunächst
ist es wichtig zu erkennen, dass die Gefahr
die von Nazis ausgeht, vollkommen unabhängig
davon ist, wie diese in Erscheinung treten.
Ob es sich um einen NPD Abgeordneten im
Anzug und mit Krawatte im Landtag handelt
oder um eine der Zeitungen der Nazis die
an vielen Zeitungskiosken verkauft werden,
ob es einen Balladen-Abend mit rechten Liedermachern
oder um eine friedlich verlaufende Demonstration
handelt.
Das Auftreten der Faschisten, selbst wenn
es noch so friedlich, legal und harmlos
erscheint, ist nicht zu trennen von der
Gewalt, die an anderer Stelle von ihnen
ausgeht und ihren menschenverachtenden Zielen.
Ein Trennungsstrich zwischen "legalem"
Faschismus und seinen "illegalen"
Auswüchsen ist ein Konstrukt, das jeglicher
realen Grundlage entbehrt.
Seit 1990 wurden in der BRD mehr als 120
Männer, Frauen und Kinder von Nazis
ermordet, unzählige verletzt, viele
leiden ihr Leben lang an den Folgen der
Angriffe. Jeden Tag finden weitere Angriffe
statt, wie zuletzt in Dortmund, als ein
32 jähriger Punk von einem 17jährigen
Neonazi erstochen wurde oder in München
wo ein 17jähriger Jugendlicher, der
sich schützend vor seine asiatische
Freundin stellte, von einem 19jährigen
Rassisten ermordet wurde.
Die
Verflechtungen zwischen faschistischen Organisationen
und rechten Schlägern und Mördern
sind unzählige Male dokumentiert. Und
selbst wenn die, die Brandanschläge
verüben, Menschen zusammenschlagen
und ermorden mal nicht direkt aus den Reihen
oder dem Umfeld einer der rechten Organisationen
und Parteien kommen, sind Kontakte zu ihnen
immer vorhanden, werden sie von deren Anwälten
vor Gericht vertreten und werden sie im
Knast von ihnen betreut.
Vor allem dort, wo sich die Nazis ihre "legalen"
Strukturen aufbauen können, mit ihren
"harmlosen" Veranstaltungen ihre
Hetze verbreiten können und mit ihren
Demonstrationen ihre Propaganda auf die
Strassen tragen, treten sie auch zunehmend
gewalttätig auf. Dort, wo ihre Strukturen
stark genug sind und sie von breiten Teilen
der Bevölkerung geduldet oder gar unterstützt
werden, nutzen sie ihre Stärke um alle,
die nicht in ihre "deutsche Volksgemeinschaft"
passen, zu terrorisieren.
Doch
es ist noch nicht einmal unbedingt notwendig,
die unzähligen Gewalttaten der Neo-Nazis
als Grund zu nennen, um die Gefahr, die
von ihnen ausgeht, zu verdeutlichen. Hinter
ihren Phrasen von "Volksgemeinschaft"
und "Nationaler Demokratie" verbirgt
sich nichts anderes als ein politisches
System, das für die allermeisten eine
weitere Verschlechterung ihrer Lebenssituation
bedeutet. Sie wollen einen autoritären
Staat errichten, patriarchale Strukturen
verschärfen, gegen MigrantInnen und
andere Menschen, die nicht in ihre "Volksgemeinschaft"
passen, bis hin zu deren Ermordung vorgehen.
Soziale und gewerkschaftliche Kämpfe
werden von ihnen als "Nestbeschmutzung"
betrachtet und sollen daher unterdrückt
und verhindert werden. In den 12 Jahren,
in welchen sie in Deutschland an der Macht
waren, wurde mehr als deutlich, wofür
ihr System ganz konkret steht: Für
den Holocaust, Millionen von Toten, Konzentrations-
und Vernichtungslager, Kriege und brutalste
Verfolgung, Unterdrückung und Ausbeutung.
Dass der Staat momentan kein Interesse an
einer zu starken offen faschistischen Bewegung
hat und in seltenen Fällen wie hier
auch mal einen ihrer Aufmärsche verbietet
hat verschiedene Gründe: Zum einen
schadet diese dem Ansehen Deutschlands im
Ausland und damit bei Investoren und Handelspartnern.
Zum anderen werden von den Nazis nicht nur
die MigrantInnen bekämpft, die auch
vom deutschen Kapital als unproduktiv angesehen
werden, sondern auch MigrantInnen, die "uns
nutzen", wie es Politiker und Unternehmer
so direkt formuliert haben. Also MigrantInnen,
die der Verwertung des deutschen Kapitals
dienlich sind.
Die daraus folgenden vereinzelten Versuche,
zumindest die gewalttätigen Faschisten
im Zaum zu halten und gegen einige ihrer
Strukturen vorzugehen, dürfen aber
nicht über das tatsächliche Verhältnis
vom Staat und den bürgerlichen Parteien
zu den Nazis hinwegtäuschen.
So wird nicht nur kein ernsthaftes Interesse
daran gezeigt, die faschistischen Organisationen
zu verbieten, sie erhalten in vielen Fällen
sogar auf verschiedene Art Unterstützung.
Über sog. akzeptierende Jugendarbeit
werden ihnen ganze Jugendhäuser, die
sie in vielen Fällen als Infrastruktur
und zur Rekrutierung von Nachwuchs nutzen,
zur Verfügung gestellt. Seit ihrer
Gründung wurde die NPD vom Verfassungsschutz
mitfinanziert, hunderttausende Euro flossen
über "V-Männer" in ihre
Parteikassen. Und nicht nur die NPD hat
auf diese Art von Steuergeldern profitiert,
nachweislich wurden auch Musikvertriebe,
Zeitungen und sogar Kampfsportschulen von
Nazis mit Geldern, die der Verfassungsschutz
an seine V-Männer zahlte, aufgebaut.
Auch
ideologisch tragen die bürgerlichen
Parteien einiges dazu bei, faschistisches
Gedankengut hoffähig zu machen. Rassistische
und nationalistische Hetze, die Grundlagen
der faschistischen Ideologie, werden in
weniger radikaler Form durchweg von allen
bürgerlichen Parteien propagiert und
in die Tat umgesetzt. Egal, ob es sich dabei
um Edmund Stoiber handelt, der von einer
"durchrassten" Gesellschaft spricht,
um Gerhard Schröder mit Parolen wie
"wer unser Gastrecht missbraucht, für
den gibt es nur eines: raus und zwar schnell"
oder um einen der vielen anderen Politiker,
die versuchen, MigrantInnen als Sündenböcke
zu benutzen.
Die Hetze gegen Ausländer, Linke, Sozialhilfebezieher
und so genannte Randgruppen wird gerade
während Wirtschaftskrisen schärfer
geführt.
Dies ist weder ein Zufall, noch hat es mit
einer Stimmung in der Bevölkerung zu
tun, die einfach entsteht. Mit der Verschärfung
der Arbeitssituation wächst auch die
Unzufriedenheit und diese soll in die richtige
Richtung kanalisiert werden, nämlich
weg von den eigentlichen Verantwortlichen,
den Arbeitgebern, Politikern, genauer, der
Bourgeosie, den Profiteuren des kapitalistischen
Systems.
Es wird eine reaktionäre Stimmung geschürt,
AusländerInnen werden für die
Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht,
Arbeitslose für leere Staatskassen
und streikende ArbeiterInnen für die
Pleiten von Firmen.
Bürgerlicher
Rassismus und Nationalismus sind also zwar
weniger plump und radikal wie die Varianten
der Faschisten, die Argumentationsmuster
sind aber weitgehend die gleichen. Daher
verwundert es auch nicht, dass rechts-bürgerliche,
konservative und offen faschistische Politiker,
Unternehmer und Publizisten in zahlreichen
Stiftungen, Burschenschaften, Vereinen und
sonstigen Vereinigungen zusammenarbeiten.
Witikobund, Gesellschaft für freie
Publizistik und Studienzentrum Weikersheim
sind nur einige dieser Vereinigungen, die
ehemalige NSDAP- und SS-Angehörige,
Republikaner, NPD-Mitglieder, CDUler, andere
Konservative und Rechts-Liberale, verbinden.
In
diesem Staat, in dem zu Gewaltfreiheit aufgerufen
wird, sorgen die Vertreter der bürgerlichen
Parteien dafür, dass Aufmärsche
der Faschisten regelmäßig von
Großaufgeboten der Polizei gewaltsam
auch gegen den Willen der Bevölkerung
durchgesetzt werden.
Wohl fast alle die schon öfter an Protesten
gegen Naziaufmärsche teilgenommen haben
schon stundenlange Einkesselungen, Übergriffe,
brutale Festnahmen und die Einleitung von
Strafverfahren mitbekommen. Wohlgemerkt
immer um den faschistischen Mördern
und Hetzern den Weg freizumachen und ihre
Aufmärsche zu ermöglichen.
Darüber können auch solche Ausnahmen
wie das diesjährige Verbot des Hess-Marsches
hinwegtäuschen.
Dies
sind nur einige wenige Facetten der direkten
Unterstützung der Nazis durch den Staat,
gemeinsamen ideologischen Grundzügen
von Nazis und bürgerlichen Parteien
und der direkten Zusammenarbeit von bürgerlichen
und faschistischen Kräften, die verdeutlichen,
weshalb wir uns beim antifaschistischen
Kampf alleine auf uns verlassen dürfen.
Es
ist letztlich wichtig zu begreifen, dass
der Kampf gegen die Faschisten von uns selbst
geführt werden muss, mit den Mitteln
die wir für legitim und notwendig halten.
Wir dürfen nicht dulden, dass sie ihre
Hetze durch ihre Aufmärsche auf die
Strasse tragen, dass sie in aller Ruhe ihre
Strukturen aufbauen und tagtäglich
Menschen ihrem Terror ausgeliefert sind.
Gerade im Kampf gegen Faschisten lehren
uns viele Beispiele, sowohl aus den Erfahrungen
der NS-Zeit wie auch in der aktuellen Situation
in vielen Teilen Deutschlands, dass auch
entschlossener und militanter Widerstand
notwendig ist.
Fast überall dort, wo dieser Widerstand
fehlt, bauen sie ihre Strukturen auf.
Erfahrungen haben gezeigt dass friedliche
und militante Aktionen gemeinsam am wirkungsvollsten
sind.
Rechte und faschistische Ideologien haben
immer eine Gesellschaftsordung zum Ziel
die auf Ausgrenzung, Unterdrückung
und Gewalt basiert. Ihre Politik steht seit
jeher für Rassismus, Antisemitismus,
Sexismus und Antikommunismus. Mit ihnen
diskutieren wir nicht, wir bekämpfen
sie denn als Antifaschisten und Linke ist
unser Ziel das genaue Gegenteil.
Unser Kampf richtet sich nicht nur gegen
die Faschisten, sonder auch gegen die Folgen
der momentan herrschenden Ordnung, wie Sozialabbau,
Verschärfung der Arbeitsbedingungen,
imperialistische Kriege und die Zerstörung
der Natur.
Solange
Zuwachsraten und Profite vor menschlichen
Interessen stehen, kann es kein gleichberechtigtes
Leben geben.
Wir stellen die heutige kapitalistische
Gesellschaft in Frage und denken dass es
durchaus Alternativen geben kann, in der
Ausbeutung von Menschen der Vergangenheit
angehört und die sich nach unseren
Bedürfnissen richtet statt nach Profitinteressen.
Nie wieder Faschismus!
Erkämpfen
wir die klassenlose Gesellschaft!
Für
die soziale Revolution!