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Was ändern die Wahlen
?
Die
Politik der SPD/Grünen Regierung, mit
Hartz 4, Agenda 2010, all den "Reformen"
genannten Einschnitten und Verschlechterungen
ist in den letzten Jahren zunehmend auf Proteste
gestoßen. Die Montagsdemonstrationen,
verschiedene Protest-Märsche wie am 3.
April 2004 mit 500 000 TeilnehmerInnen und
Aktionen bei Auftritten von Schröder
und anderen führenden Sozialdemokraten
sind nur einige Beispiele dieser Proteste.
Lange sah es so aus, als äußere
sich der Unmut in erster Linie in Demonstra-tionen,
durch weniger Stimmen für die Regierungsparteien
bei den Wahlen und durch Parteiaustritte.
Mit der Linkspartei ist nun aber eine politische
Kraft auf der Bühne erschienen, die die
etablierten bürgerlichen Parteien gehörig
aus dem Konzept bringt, da sie es weitgehend
schafft die Unzufriedenheit vieler mit der
herrschenden Politik aufzufangen und dadurch
zu einer relevanten politischen Kraft zu werden.
Linkspartei als Alternative?
Tatsächlich wäre die Wahl der Linkspartei
eine Möglichkeit, die Stimme nicht für
Schröder, den Genossen der Bosse, abzugeben
und dennoch die unmittelbare schwarz/gelbe
Regierungsübernahme zu verhindern. CDU
und FDP würden schließlich die
Politik im Dienste des Kapitals weiterführen
und noch hemmungsloser sämtliche sozialen
Errungenschaften und Rechte der Arbeiterinnen
und Arbeiter abbauen. Sie versprechen auch
jetzt schon weitere Verschlechterungen für
MigrantInnen, RentnerInnen und Jugendliche.
Die
Linkspartei steht für ein Konzept, das
in weiten Teilen mit dem der SPD aus deren
Zeit in der Opposition übereinstimmt:
mehr Besteuerung auf Gewinne der Unternehmer,
wenigstens eine Grundbasis an sozialen Rechten
für ArbeiterInnen, Arbeitslose und RenterInnen
usw. Ziel ist es, einen "Kapitalismus
mit menschlichem Antlitz" im Gegensatz
zu einem "Raubtierkapitalismus"
zu verwirklichen. Die Wirtschaft soll durch
eine Steigerung der Kaufkraft möglichst
breiter Kreise der Bevölkerung und nicht
durch weitere Senkungen der Lohnkosten angekurbelt
werden.
Dass solcherlei Forderungen im Wahlkampf überhaupt
wieder Thema in der Öffentlichkeit sind,
ist das Positive am Auftauchen der Linkspartei.
So ist im Wahlkampf immerhin nicht nur von
allen Seiten ausschließlich von der
"Notwendigkeit" weiterer Umverteilungen
von unten nach oben um den "Standort
Deutschland" zu erhalten, zu hören.
Im Gegensatz zu den anderen Parteien steht
die Linkspartei also immerhin für einen
Fortschritt und zumindest in Ansätzen
dafür, dass die Symptome der kapitalistischen
Krise nicht länger nur auf die unteren
Schichten abgewälzt werden, während
die Kapitalistenklasse ihre Profite ständig
erhöht.
Soweit
so gut. Wer sich von der Linkspartei, selbst
wenn sie an der Regierung wäre, allerdings
eine wirkliche Veränderung erhofft, wird
enttäuscht werden. Zum einen können
Veränderungen nicht einfach durch ein
Kreuz auf dem Wahlzettel erreicht werden.
Zum anderen steht die Linkspartei von vorneherein
für ein Programm, das die momentane Politik
keineswegs grundlegend in Frage stellt. Sie
befindet sich daher trotz fortschrittlicher
Ansätze auf dem Weg in eine Sackgasse:
Dass sie eben nicht konsequent die Interessen
der Klasse der Lohnabhängigen vertritt,
sondern sich in sozialdemokratischer Tradition
lediglich für einen "anderen"
Kapitalismus einsetzt, unterwirft sie den
üblichen Sachzwängen dieses Systems
- Sicherung steigender Profite für die
nationalen Kapitalisten und Durchsetzung deren
Interessen in allen Bereichen und mit allen
Mitteln. An diesen Sachzwängen kamen
vor ihr weder die SPD noch die Grünen
vorbei, sondern sahen sich sobald sie an der
Regierung waren gezwungen, die Interessen
des Kapitals - weniger Lohnkosten, weniger
Steuerzahlungen der Unternehmen, Kürzungen
bei Sozialausgaben usw. - durchzusetzen. Konkret
haben wir dies in den letzten Jahren erlebt:
SPD und Grüne haben trotz aller Bekenntnisse
zu einer "sozialen Marktwirtschaft"
eine Politik betrieben, die für die meisten
weniger Lohn, längere Arbeitszeiten und
weniger Sozialleistungen bedeuten. Sie haben
Verschlechterungen bei der Kranken-, Arbeitlosen-
und Rentenversicherung durchgesetzt, die Steuern
für die Lohnabhängigen erhöht
um für die Reichen und die Kapitalistenklasse
die Steuern weiter senken zu können.
Die Linkspartei hat dadurch, dass sie die
Macht des Kapitals nicht in Frage stellt,
bereits denselben Weg eingeschlagen, ob sie
es wahrhaben will oder nicht.
Schöne
Worte von Lafontaine und Gysi werden uns also
nicht weiterhelfen und Gesetze gegen die Macht
des Kapitals werden sie nicht durchsetzen.
Wir dürfen uns nicht der Träumerei
hingeben, wer an der Regierung ist, habe tatsächlich
die Macht oder könne auch nur das Schlimmste
verhindern. Im Kapitalismus ist jede Regierung
eng mit der Kapitalistenklasse verflochten
und hat noch nie ernsthaft gegen deren Interessen
gehandelt. Dass die Kapitalistenklasse sicher
nicht auf eine Steigerung ihrer unmittelbaren
Profite zugunsten einer erhöhten Kaufkraft
der Lohnabhängigen verzichtet, wird uns
jeden Tag verdeutlicht. Daran ändern
auch die Argumente - einst von der SPD vorgebracht,
jetzt von der Linkspartei - die Wirtschaft
würde längerfristig dadurch angekurbelt,
rein gar nichts.
Wir
wollen keine grösseren Krümel -
wir wollen die ganze Bäckerei!
Es ist längst Zeit, dass wir uns nicht
länger auf die bürgerlichen Parteien
verlassen, sondern unsere Interessen selbst
in die Hand nehmen. Wir dürfen nicht
länger nur die Folgen des Kapitalismus
anprangern, sondern müssen erkennen,
dass er als ganzes abgeschafft gehört.
Die
Organisationen, die dieses Flugblatt herausgeben
und die - gemeinsam mit weiteren - seit zwei
Jahren die revolutionäre 1. Mai Demo
in Stuttgart organisieren, haben zur Frage
der Stimmabgabe unterschiedliche Meinungen:
- Manche lehnen jede Beteiligung an parlamentarischen
Wahlen
grundsätzlich ab
- Manche rufen zum Wahl-Boykott auf
- Manche rufen dazu auf die Linkspartei zu
wählen
- Manche rufen weder zur Wahl einer der linken
Parteien noch zum
Wahlboykott auf, sondern lassen diese Frage
offen
Wir
sind uns aber einig, dass es entscheidend
sein wird, den Widerstand gegen eine neue
Regierung zu organisieren und Strukturen zu
schaffen, die eine wirkliche Gegenmacht darstellen.
Unsere Proteste, Streiks und Demonstrationen
dürfen nicht vereinzelt ins Leere laufen.
Sie müssen koordiniert werden und aufeinander
aufbauen. Sie dürfen nicht auf Abwehrkämpfe
und einzelne Betriebe beschränkt bleiben
und müssen längerfristig auch international
organisiert werden, um erfolgreich zu sein.
Um dies zu schaffen ist es notwendig, dass
wir uns auf verschiedenen Ebenen organisieren.
Sowohl gewerkschaftlich, um als Klasse für
unsere unmittelbaren Interessen, gegen die
Angriffe des Kapitals kämpfen zu können.
Aber auch politisch, um den Kapitalismus als
ganzes abzuschaffen und eine Gesellschaft,
die nicht länger nach Profitinteressen
ausgerichtet ist, sondern nach den Bedürfnissen
aller gestaltet ist, zu verwirklichen.
Anhang:
Oskar`s Griff ins Klo
Zum einen waren Lafontaine`s Äußerungen
über die sog. "Fremdarbeiter"
dumpfer Populismus, wie wir ihn von allen
bürgerlichen Parteien kennen: Als ob
das Kapital u.a. durch diverse Zwangsmaßnahmen
der Arbeitsämter nicht mittlerweile über
verschiedenste Möglichkeiten verfügt
die Löhne nach unten zu drücken,
werden ausgerechnet ArbeiterInnen aus anderen
Ländern für niedrigere Löhne
verantwortlich gemacht. Statt für ein
gemeinsames Agieren der ArbeiterInnen - egal
welcher Herkunft - gegen Lohnkürzungen
und Verschärfung der Ausbeutung einzutreten,
wird durch nationalistische Phrasen versucht
Wählerstimmen zu erheischen.
Seine Phrasen verdeutlichen zum anderen aber
auch seine Ziele:
Er möchte zurück zum Sozialstaat
westdeutscher Prägung. Dieser beruhte
auch in seinen Blütezeiten auf den hohen
Profiten der deutschen Exportindustrie, auf
einem Export der Arbeitslosigkeit und dem
sozialen Frieden in Deutschland selbst. Er
war und ist eine Veranstaltung auf Kosten
der ArbeiterInnen der anderen Länder.
Kein Wunder, dass die "Fremden"
als Lohndrücker, Konkurrenten am Arbeitsmarkt
und Schmarotzer am Sozialstaat empfunden werden.
Je mehr Armut und Arbeitslosigkeit weltweit
zunehmen, desto größer wird diese
"Bedrohung".
Wir setzen allerdings auf den gemeinsamen
Kampf aller Ausgebeuteten. Unser Partner ist
nicht die Kapitalistenklasse und die weltmeisterliche
Exportindustrie, sondern das weltweite Proletariat.
Internationale
Solidarität statt Standortkonkurrenz,
Klassenkollaboration und Ausgrenzung!
Diskussionsveranstaltung:
Was ändern die Wahlen?
Wir
wollen die unterschiedlichen Positionen zu
den kommenden Wahlen darlegen und gemeinsam
diskutieren. Dabei soll es aber nicht nur
um den "richtigen" Platz des Kreuzes
auf dem Wahlzettel gehen, sondern auch die
Perspektiven nach den Wahlen ein Thema sein.
Die
Veranstaltung findet statt am
Mittwoch, 14. September
ab 19 Uhr
im alten Feuerwehrhaus im kleinen Saal
(1.OG, Möhringerstrasse 56, Haltestelle
Schreiberstrasse, Stuttgart-Süd)
Dieses Flugblatt wird herausgegeben von:
Revolutionäre Aktion Stuttgart, Gruppe
Arbeitermacht, Trotz Alledem,
VorOrt - Zeitung für das andere Vaihingen,
AG Weisse Fabrik und Einzelpersonen.
Wir
sind Teil der Initiative für einen revolutionären
1. Mai in Stuttgart, einem Bündnis das
sich zusammengefunden hat um in Stuttgart
wieder Aktivitäten am 1. Mai zu etablieren,
die eine weitergehende Perspektive haben als
die Demonstration des DGB. Die Gruppen der
Initiative haben sich auch zum Ziel gesetzt,
trotz Widersprüche gemeinsam zu verschiedenen
Themen Texte zu veröffentlichen und aktiv
zu werden.
Siehe auch: www.erstermai2005.de.am>>>
Flugblatt
als PDF >>>
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